Liebeserklärung an die Brennnessel

6. November 2017.TinePe.4 Likes.0 Comments

Das Wesen der Brennnessel

April 2017. In meinem Paradies blüht es an allen Ecken und Enden. Gedanklich bin ich bereits im Sommer und im Herbst. Kann sie sehen und schmecken, die Ernte der süßen Kirschen. Die Ernte der Mirabellen. Die Ernte der roten Äpfel und Birnen.
Und ich träume schon von meinen wunderbaren Walnüssen.
Doch dann der Schock …..

….. in nur einer Nacht erfriert alles …..

….. ich bin unendlich traurig. In diesem Jahr wird es keine Ernte geben.
Alles war nur eine Illusion …..

….. und plötzlich ist es, als ob sich in diese Traurigkeit hinein eine Stimme meldet. Es ist die junge Brennnessel, die meinen Blick in eine Ecke zieht. „Du wirst nichts ernten?“ fragt sie. „Na dann pass mal auf.“ Ich zögere, gehe in ihre Ecke und verstehe. Hier also wird die Brennnessel ihren Platz einnehmen …..

….. es wird die Brennnessel sein, die mich in diesem Jahr auf ihre unnachahmliche Art lehren wird …..

….. und so wird die Brennnessel zu meiner Begleiterin von April bis in den späten Herbst hinein. Ich beginne sie zu essen und zu trinken in allen möglichen Variationen. Ob in Smootheys, Suppen, Aufläufen, Spinatvariationen, überall ist die Brennnessel dabei. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht irgendwo Bestandteil ist.  Wunderbare Rezeptkreationen entstehen. Körperlich spüre ich die Kraft der Brennnessel sehr schnell. Mindestens jeden dritten Tag besuche ich sie, um sie zu pflücken und mich auf sie einzulassen …..

….. so wird mit jedem Tag meine Verbindung zur Brennnessel enger …..

….. sie zeigt mir ihre Weiblichkeit …..

…..in ihrer aufsprießenden Kraft schaue ich hinein in ihre Zartheit und Verletzlichkeit. Nehme ihre innere Schönheit wahr. Erfühle ihre weiblichen Anteile, die gut behütet sein wollen. Oft erzählt sie mir von ihrer Empfindsamkeit.  Noch nie zuvor habe ich es wahrgenommen. Aber da ist etwas weiches in ihr, ein urweiblicher Kern. Und dieses Urweibliche ist gut beschützt. Sie erinnert mich immer wieder daran. Denn häufig  bekomme ich diesen Schutz, diese  Wehrhaftigkeit zu spüren …..

….. sie lehrt mich die Energie des Schutzes …..

….. ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich in diesem Jahr Bekanntschaft mit ihren Brennhaaren gemacht habe. Doch immer war es dieser besondere Schmerz, der mich präsent gemacht hat für den Moment. Der mich mit dem verbunden hat, was ich in diesem Augenblick tat. Sofort war meine Aufmerksamkeit da, wo sie hingehörte. Dieses Brennen war wie eine Sprache, die mich verstehen lassen hat . Die besondere Art einer höheren Intelligenz wurde mir offenbar in der Art und Weise, wie dieser urweibliche Kern geschützt wird. Hier werden keine Kräfte  im (sinnlosen) Kampf verbraucht. Und in all dem erfahre ich etwas von einer besonderen Kraft, die der Brennnessel inne wohnt …..

….. die Brennnessel erzählt mir von unbändiger Kraft …..

….. es sind die weiblichen und männlichen Kräfte, die mir in der Brennnessel begegnet sind. Ich sehe in ihnen die Kräfte der Urmutter und des Urvaters. Erdmutter und Himmelsvater, so empfinde ich es. Jedem darf nun klar werden, welche Kräfte hier in Liebe und Synergie aufeinandertreffen. Die Brennnessel ist ein wahres Feuerwerk von lebensbejahender Kraft und Lebensfreude. Ich kann nur jeden einladen, es einmal selbst zu erleben. Je mehr man von ihr isst, desto mehr Wachheit, Klarheit und Präsenz ist da. Das was die Brennnessel ausdrückt, das was sie ausmacht, zeigt sich dann auch in uns. Je mehr die Brennnessel gepflückt wird, desto mehr vermehrt sie sich. Eine Kraft, die genommen sein möchte, um zu wachsen. Doch an dieser Stelle lasse ich die Brennnessel am besten selbst zu Wort kommen …..

„Ich bin eine Kraft, die genommen sein möchte, um zu wachsen. Ich biete mich dir an, aber du musst dich trauen, zuzugreifen.“

Diese sich aus dem Abgeben oder auch Loslassen heraus vermehrende Kraft ist es, was mich an der Brennnessel so fasziniert. Sie wächst überall um uns herum, bietet sich förmlich an, sie zu nehmen. Es zu tun, das liegt ganz alleine bei uns. Für mich steht es außer Frage, dass die Brennnessel viel mehr zu geben hat, als uns bewusst ist.

Reißen wir nicht mehr achtlos heraus, was uns stört, sondern lernen wir wieder in Demut anzunehmen, was uns gegeben ist.

Mir auf jeden Fall bleibt nur noch dankbar auf das zu schauen, was die Brennnessel mich in diesem einen Jahr gelehrt und was sie mir gegeben hat. Jedoch ohne diese eine Frostnacht wäre es vielleicht niemals geschehen.

Herzlichst Martina Petermann © Copyright November 2017

Categories: Nature

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