Zeig, wer du bist …..

19. August 2019.TinePe.1 Like.0 Comments

Zeig, wer du bist …..

….. signalisiert das Eichhörnchen hoch oben auf dem Baum. „Zeig, wer du bist“, flüstert der Odermennig beim Besuch der Sommerwiese. „Zeig, wer du bist“, ertönt es aus der Ecke der Minze. „Zeig, wer du bist“, erschallt es aus dem Munde des Schmetterlings …..

….. zeig, wer du bist …..

Gar nicht so einfach, wenn man in 56 Jahren die, die man auf tiefster Ebene ist, mehr oder weniger versteckt, vieles vom eigentlich Wesentlichen im Außen gar nicht gezeigt und gelebt hat. Warum? Schwierig zu sagen. Vielleicht, weil sie, wie viele andere auch, sehr früh gelernt hat, genau das nicht zu tun, weil nicht erwünscht? Weil sie gelernt hat …..

….. innerhalb einer Norm, gemäß DIN 0815, gesellschaftstauglich zu funktionieren …..

….. und nun? Soll sie jetzt wirklich darüber schreiben? Bei diesem Gedanken wird das Gefühl im Magen ganz schön flau …..

Doch da gerät ihr das Raunen der Minze ins Ohr: „Es ist an der Zeit, ehrlich zu sein. Ehrlich zu dir und ehrlich zu den anderen“ „Oh ja“, murmelt der Odermennig vor sich hin, „zu lange versteckt, zu lange versteckt“. „Du kannst gar nicht anders, zeig endlich, wer du bist“, ruft das frechneugierige Eichhörnchen vom Baum. „Oder“, erhebt da der Schmetterling würdevoll das Wort …..

….. „willst du als vollgefressene, ungeliebte Raupe sterben, die um ihr wahres Sein nie erfahren, erlebt und gelebt hat?“ …..

….. nein, das möchte ich natürlich nicht. Und ich glaube, niemand möchte das. Letztendlich wollen wir doch alle zum Schmetterling werden, der es am Ende, vielleicht wie kein anderer versteht, sich der Leichtigkeit des Lebens hinzugeben. Doch leider ist das häufig bei uns Menschen nicht der Fall. Warum? Weil uns die Fähigkeit, die zu sein, die wir sind, frühzeitig systematisch abtrainiert wird. Weil der Kontakt zu diesem innersten Wesenskern, der uns als Mensch in seiner Einzigartigkeit ausmacht, schon früh gekappt wird, indem wir lernen dürfen, dass genau dieses Sein nicht gerade heiß begehrt ist. Blöd nur, dass hier auch unsere besonderen Gaben und Fähigkeiten zu hause sind. Gaben und Fähigkeiten, die die Welt so dringend braucht, doch aufgrund der Lehrmeister vergeblich darauf wartet …..

….. und so sterben wir eines Tages. Mir kommen ein paar Beerdigungen in den Sinn. Wenn ich mir diese noch einmal revue passieren lasse, dann waren es letztendlich immer nur chronologische Lebensläufe, die da am Lebensende heruntergerattert wurden. Lebensläufe, die zeigten, wie gut diese Menschen angepasst waren an die DIN 0815. Wie gut sie frühzeitig gelernt hatten. Von ihrer Einzigartigkeit, ihren besonderen Gaben und Fähigkeiten, von ihren Visionen und Missionen keine Spur. Für mich fühlte sich das sehr schal an. Da fehlte etwas …..

….. ich vermisste den Menschen, die Leidenschaft, die Sehnsucht, das Abenteur, das Einzigartige, die Seele  …..

…..ich vermisste das, was sie in die Welt hineingegeben hatten. Ihre hinterlassenen Fußspuren, ihr wahres Gesicht …..

„Zeig, wer du bist. Oder willst du als vollgefressene Raupe sterben, die um ihr wahres Sein nie erfahren, erlebt und gelebt hat?“

Ich weiß nicht, wie es dir mit diesen Worten des Schmetterlings geht, aber in mir haben sie ein mittelschweres Erdbeben ausgelöst. Denn wenn ich nicht zeige, wer ich bin, wenn ich es dauerhaft versteckt halte, nicht lebe, dann lasse ich etwas wesentliches verkümmern. Bleibe die Marionette, deren Fäden andere ziehen und nehme eines Tages mit ins Grab, das der Welt hätte Segen sein können. Habe …..

….. nicht mein selbstbestimmtes Leben gelebt, sondern das fremdbestimmte Leben von anderen …..

….. dann bin ich am Ende nichts weiter, als ein Spielball, der als chronologisierter, an die allseits bewährte DIN 0815  angepasster Lebenslauf,  in die schnell vergessene Geschichte eintauchen wird …..

Na ja, vielleicht ist das jetzt etwas zu sehr schwarz weiß gemalt. Ich auf jeden Fall werde in nächster Zeit meinen ganzen Mut zusammennehmen, und noch einiges über die erzählen, die ich bin. Aber mit 56 Jahren wird das auch wirklich höchste Eisenbahn. Denn die Welt braucht uns …..

….. die Welt braucht Menschen, die das Bewusstsein und Selbstbewusstsein haben, aus der DIN 0815 auszusteigen …..

….. die Welt braucht Menschen, die bereit sind, sich von den Masken und Fäden zu lösen …..

….. die Welt braucht Menschen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen, für sich und die Erde …..

….. die Welt braucht Menschen, die zeigen und leben, wer sie sind …..

….. die Welt braucht dich und mich …..

….. und wer weiß, vielleicht kann ich ja damit auch dir ein bisschen Inspiration sein, für ein Stück deines Weges …..

Mit herzlichen Grüßen vom Eichhörnchen und Schmetterling, vom Odermennig und der Minze

Martina Petermann

© Martina Petermann, 19. August 2019

Categories: Humanity, Leben

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