Mistelinspirationen – nicht Himmel – nicht Erde – nicht Baum – nicht Kraut

5. Januar 2018.TinePe.1 Like.0 Comments

Mistelinspirationen

nicht Himmel – nicht Erde, nicht Baum – nicht Kraut

….. ausgerechnet Balder, der sanftmütige Sonnengott, der Lichtgott ist es, durch den die Mistel in der germanischen Mythologie mit dem Tod verbunden wird …..
Eisberge Licht

….. alles beginnt damit, dass Balder, Sohn von Allvater Odin und Göttermutter Frigg, von schweren Träumen heimgesucht wird, die seinen baldigen Tod prophezeien. Nachdem Frigg davon erfährt, tut sie etwas, was ihrem eigentlichen Wirken widerspricht. Sie handelt nicht als Göttin, sondern als Mutter. Versucht in das Schicksal einzugreifen, um das Leben ihres Sohnes zu retten.
So reist sie durch alle Welten und lässt alles schwören, ihrem Sohn nichts anzuhaben. Einzig die Mistel erscheint ihr zu klein und zu unbedeutend für diesen Eid. Und tatsächlich, Balder ist für die Pfeile und Speere der Götter unverwundbar geworden. Doch da wird Loki, eine besondere Gestalt am germanischen Götterhimmel, zum Schicksalswirker.

Der listige Gott schafft es durch eine Täuschung, Frigg das Geheimnis um die Unverletzbarkeit ihres Sohnes zu entlocken und erfährt um das Geheimnis der Mistel. Flugs fertigt er einen Speer aus einem Mistelzweig, drückt diesen Hödur, dem blinden Bruder Balders in die Hand mit der Aufforderung, sich am Götterschießen auf Balder zu beteiligen. Hödur wirft angeleitet von Loki, trifft, und so ist Balders Leben zunächst verwirkt. Der Weg hinab in das Totenreich von Hel war für ihn unausweichlich vorgegeben …..

….. während die Mistel in der germanischen Mythologie zur tödlichen Waffe wird, weil sie für zu klein und zu unscheinbar für die Vollstreckung des Schicksals gehalten wird, begegnet uns die Mistel in der griechischen und römischen Mythologie als Türöffner zur Unterwelt. Hier sind es der Götterbote Hermes und der große Held Aeneas, denen mithilfe der Mistel Zugang gewährt wird …..
Mistel Tor Unterwelt

Wie der Holunder und der Wacholder, gewährt also auch die Mistel Zugang zur Anderswelt ….. 

….. ganz egal wie wir zu so einer Sichtweise stehen mögen. Häufig ist es so, dass an Orten, an denen viele Misteln wachsen, eine ganz besondere Magie spürbar ist. Diese Orte sind nicht immer die freundlichsten, aber sie inspirieren auf besondere Art und Weise, ziehen hinein, wenn wir uns öffnen, einlassen und bereit sind, zuzulassen ….. 

Mistel schwarz blau 1

Die Mistel eine der heiligsten, vielleicht sogar die heiligste Pflanze der Druiden überhaupt …..

….. Oljo-liagi – die Allesheilende …..

….. nicht Himmel, nicht Erde. Ein Zwischending ist sie. So sucht sie sich ihren Platz hoch auf ihren Bäumen, lebt am lebendigen Ast. Sie mag die Erde nicht. Lehnt es ab, in ihr zu wurzeln. Ihre Samen lässt sie auf geniale Weise hinaustragen in die Welt durch die Tiere der Lüfte. Vermehrt sich nicht mit Hilfe der Kraft der Elemente, sondern verbündet sich mit einem beseelten Wesen. Interessant ist, dass wir dies sowohl beim Holunder, als auch beim Wacholder wiederfinden, wenn auch hier die Samen den Vogelkörper durchlaufen müssen. Die große (Zauber)kraft der Mistel war schon seit Urzeiten bekannt. Doch es waren die keltischen Druiden, die die Kraft des Mistelzaubers aufnahmen, erkannten und weitertrugen. Sie sahen in ihr ….. 

….. das Wesen, das geradewegs vom Himmel geschickt war …..

DSC_0849

….. klar ist, dass solch ein Wesen nur in einem besonderen Bewusstsein und Ritual geerntet werden konnte. Überliefert ist, dass der Priester in einem weißen Gewand auf den Baum stieg, um die Mistel mit seiner goldenen Sichel abzunehmen. Aufgefangen wurde sie mit einem weißen Tuch. Denn hätte die Mistel die Erde berührt, dann wäre die ihr innewohnende Zauberkraft verloren gewesen. Das Edelste also das sie hatten, war für die Mistel gerade einmal gut genug.
Es gibt noch einige Überlieferungen aus dem Volkstum darüber, wie die Mistel zu „pflücken“ war, aber diese eine fasziniert ganz besonders:

….. man musste die Mistel mit einem Pfeilschuss oder mit einem Steinwurf herunterholen, um sie dann mit der linken Hand, der Zauberhand aufzufangen ….. 

..... eine Pflanze, die zu erlegen und zu erjagen war, wie ein wildes Tier ..... eine Pflanze, die sich nur weiter vermehrt in Synergie mit einem beseelten Wesen ..... eine Pflanze, die die Erde nicht berühren mag ..... der das Bodenständige völlig fremd ist ..... und doch die Türen direkt hinein ins Reich der großen Erdmutter ...... zur schamanischen Unterwelt öffnet ..... eine Pflanze, die Balders Schicksal unumgänglich macht ..... ihn hinabführt in das Totenreich von Hel ..... um später aus seinem Glanz, seiner Güte und Sanftmut heraus zu regieren ..... eine Pflanze, die also die Sonne hinabnimmt, um sie dann wiederauferstehen zu lassen ..... eine Pflanze, die irgendwie in einen Zwischenbereich fällt ..... einen Bereich des Magischen, für uns Menschen nur schwer fassbar ..... vielleicht in den Bereich, den die Quantenphysik als leeren Raum beschreibt ..... das Meer aller Möglichkeiten ..... das Chaos, in dem alles möglich, aber nichts festgeschrieben ist ..... die große Oljo-liagi ..... die Allesheilerin der Druiden ..... die Zauberpflanze, die mit der Zauberhand aufzufangen ist ..... ....

Also strecken wir sie doch aus, unsere Zauberhand und fangen sie wieder auf, die größte Zauberpflanze aller Zeiten. 

DSC_0909

Oljo-liagi, Omnia sanans, die Allesheilende

….. noch nicht genug von der Mistel ….. hier gibt’s noch mehr …..

….. für alle, die es noch ein bisschen magischer möchten, geht es hier lang …..
….. für alle, die es lieber bodenständiger haben, geht es hier lang ….. 

© Copyright Januar 2018 Martina Petermann
Categories: Magie, Nature

Add comment