Das Wesen des Wacholders

7. Oktober 2017.TinePe.2 Likes.0 Comments

Das Wesen des Wacholders

Wacholder (Juniperus communis), Reckholder, Kranewitt, Queckholder,
Feuerbaum, Machandelboom

Unsere Vorfahren sahen im Wacholder einen Lebensbaum. Er galt als Symbol des ewigen Lebens.
Im Ahnenkult spielte er eine große Rolle. Räucherungen gewährten der Totenseele sicheres Geleit. Plätze, an denen der Wacholder wuchs, waren unseren Ahnen besonders heilig. Wie der Holunder, so galt auch der Wacholder als Zugang zur Anderswelt.
Kurzum der Wacholder hatte ein Ansehen als besonders heilige Pflanze. Schauen wir uns den Wacholder doch einmal näher an.

Der Wacholder präsentiert sich zunächst nicht als besonders geselliger Bursche. Gemeinschaft zu leben ist nicht seine Stärke. Wenn überhaupt, dann arrangiert er sich nur mit seinesgleichen. Aber auch hier ist er dennoch oftmals auf Abstand bedacht.
Obwohl der Wacholder viel Marssignatur in sich trägt, ist er kein Kriegsherr. Er zieht sich zurück und geht, wenn ein anderer, ein Fremder, ihm hartnäckig seinen Platz streitig machen möchte.

Der Wacholder gibt sich weder dem Arrangement, noch dem Ringen mit dem Konkurrenten hin. Den Weg des Kompromisses kennt er nicht.

Das sind interessante Wesenszüge.
Wer auch nur ein bisschen Gespür für Pflanzenwesen hat, der wird in einer Wacholderbegegnung diese Eigenschaften wahrnehmen. Denn der Wacholder tritt zunächst nicht sehr einladend auf.
Er ist nicht derjenige, der mit weit geöffneten Armen herzlich empfängt. Er hält auf Abstand, erfordert Demut.
Dennoch wirkt er nicht wirklich abwehrend, unheimlich oder angsteinflößend.

Vom Wacholder geht etwas heiliges, lichtvolles, reines, klärendes, erhabenes, aufgerichtetes aus. Wacholderheiden wohnt eine märchenhafte Ausstrahlung inne.
Hier regiert der große Lichtzauberer.

Dabei präsentiert sich der Wacholder als Gebieter. Er gebietet die Grenzen ihm gegenüber nicht zu überschreiten. Sind wir achtlos und tun es dennoch, dann wird sich sein Geist zurückziehen.
Wir haben es bereits gehört, den Weg der Kompromisse geht er nicht. Dann wird die Türe verschlossen bleiben. Ein Zugang wird nicht zustande kommen.

Übertragen wir dieses raumgebietende Wesen auf uns Menschen, dann wird klar, dass der Wacholder helfen kann, wenn wir uns nicht das Recht zugestehen, uns selbst unseren Raum zu nehmen.

Wenn wir uns einengen und begrenzen lassen von unseren Mitmenschen und unserer Umgebung, dann wird es Zeit, die Hand nach dem helfenden Geist des Wacholders auszustrecken. Er hilft zu klären, was zu klären ist, stärkt und kräftigt die Aura und gibt den Mut zur Ausdehnung. Mag sein, dass dies als evtl. Folge eine Trennung von so manchem „Freund“ nach sich ziehen wird.

Als eine unserer großen Schutzpflanzen vermag der Wacholder als Räucherung eingesetzt, die Dämonen der Finsternis zu vertreiben.
Überall auf der Welt, wo er seinen Platz eingenommen hat, wird er hierfür verwendet. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Angriffe der Dämonen von außen, sondern auch um die Dämonen unserer erschaffenen Innenwelt, wie Ängste, Depressionen u.v.m.
Setzen wir die Räucherung z.B. in Krankenzimmern ein, dann wirkt sie nicht nur klärend auf den Raum, sondern auch stimmungsverändernd auf den Patienten.
Denn der Lichtzauberer Wacholder vermag die Dunkelheit der Krankheit zu durchdringen und die Seele schützend zu umhüllen.

Es gab eine Zeit, da wurde der Wacholder zum Retter in großer Not. Es waren die Vögel, die damals vom Himmel riefen:

„Nehmt Kranewitt und Bibernell, dann sterbet’s ihr nit so schnell.“

Vieles gibt es noch über den Wacholder zu sagen, aber dies zu einem späteren Zeitpunkt.

Herzlichst Martina Petermann © Copyright Oktober 2017

„Vor dem Holunder ziehe den Hut, vor dem Wacholder aber beuge das Knie.“
Categories: Nature

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