Die Maske

….. wir schreiben das Jahr 2020, Corona geht um …..

Und mit Corona kam die Maske. Es ist gefühlt eine Ewigkeit her, dass ich eine solche zum ersten Mal in einem Laden getragen habe …..

..... sie rutschte ..... kratzte ..... mir war heiß ..... ich musste niesen ..... der Atem stockte ..... die Luft fehlte ..... und überhaupt .....

Als Teil der bemasketen Abstandsschlange an der Kasse schaute ich mich um. Fühlte mich verloren. So unglaublich fremd. Es war, als wäre ich Teil in einem Science fiction. Irreal, surreal. Ein Mann schaute mir in die Augen und sagte: „Daran werden wir uns nun gewöhnen müssen“ …..

In diesem Moment spürte ich Wut in mir aufsteigen. Heiße Wut. Irgendwo aus einer Untiefe heraus. Und ich dachte, erfüllt von Trotz: „Vielleicht du, aber ICH nicht“  …..

Zwischenzeitlich sind 3 Monate vergangen. An das Tragen der Maske habe ich mich bis zum heutigen Tage NICHT gewöhnt. Wie schön sie auch aussehen mag, sie ist mir lästig und eine Last. Verändert mich, macht mich noch immer wutig. Ich spüre jedes Mal, wenn ich sie mir aufs Neue aufsetze, jetzt bin ICH nicht mehr ICH  …..

Aus Ende April ist Ende Juni geworden. Während damals noch der blühende Bärlauch im Vordergrund stand, geht jetzt der Odermennig an den Wegesrändern und in den Wiesen hoch. Odermennig, Agrimonia eupatoria, die Bachblüte Nr. 1 …..

….. Agrimony, DIE MASKE …..

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Und Agrimony ist hartnäckig. Zieht mich an, macht etwas mit mir. Wieder und wieder. Lässt nicht locker. Lockt, erinnert, erzählt. Zeigt auf, dass eine mir lästige, mich mit Wut erfüllende, mich verändernde Verordnung mich genaugenommen eine ganze Menge gelehrt hat. Ja, noch immer  dabei ist, mich jede Menge zu lehren. Warum? Ganz einfach, weil sie ist. Weil sie mich erfahren lassen hat und erfahren lässt.  Hartnäckig, wieder und wieder. Erfahren lässt ohne Rücksicht auf Verluste, wie es ist …..

….. mit, unter und hinter Masken durch den Alltag, durch das Leben zu gehen …..

….. Und ich erlebe im wahrsten Sinne des Wortes …..

 

..... wie UNECHT ich bin ab jenem Moment, in dem ich mir die Maske überziehe .....

..... wie die Maske mich BESCHWERT, mir Last und lästig ist .....

..... wie augenblicklich eine seltsame Aggression aufkommt, die zuvor nicht da war .....
..... wie GETRENNT und ABGESCHNITTEN ich bin von mir selbst .....

..... wie FREMD ich mir bin .....

..... wie fremd mir dieses SEIN plötzlich ist .....
..... wie fremd und auch SUSPEKT mir die Menschen sind, die ebenso Maskenträger sind, genau wie ich .....

..... wie augenblicklich der Fluss des Atems und damit die Anbindung an ein höheres Sein unterbrochen wird .....

..... wie VERLOREN ich bin .....

..... wie ENERGIERAUBEND, ERMÜDEND und ZEHREND Masken sind .....

..... wie das Aufsetzen einer Maske mich im Handumdrehen verändert .....

..... wie FALSCH und UNEHRLICH sich ein Leben hinter Masken anfühlt .....

..... wie mein tiefstes Inneres sich danach sehnt .....

….. frei und ohne jede Maske als ICH, die ICH WIRKLICH BIN durch das Leben zu gehen …..

….. ich habe verstanden, wie schwer es ist …..

….. mit, unter und hinter einer Masse an Masken das Leben zu leben …..

….. Corona eine Zeit der Wahrhaftigkeit und Wahrheit ….. so paradox es im Moment erscheinen mag ….. es ist eine Zeit, in der die Masken fallen ….. und die Lebenslügen verhallen …..

 

….. und der Odermennig atmet auf …..

© Martina Petermann 29.06.2020

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